Tradition in Düsseldorf

Petra Maria Schäpers, Foto Michael W. Driesch

Ganz in der Nähe des Schwanenmarktes, umgeben vom Spee’schen Graben und dem Schwanenspiegel, liegt die Repräsentanz des Dorotheum in Düsseldorf. Die Leiterin Dr. Petra Maria Schäpers und ihre beiden Mitarbeiterinnen bereiten sich zurzeit auf die internationalen Frühjahrsauktionen vor. Diese gehören unter den jährlich insgesamt 600 Auktionen zu den vier wichtigsten Auktionswochen im Jahr.

Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Auktionshäuser gegründet. Diese legten die Saat für eine großartige Entwicklung: Der Kunsthandel blühte auf und im Jahr 1766 wurde in London Christie’s gegründet, eines der traditionsreichsten Auktionshäuser der Welt. Eine ähnliche Rolle spielte später das Hôtel Drouot in Paris. Das Dorotheum, gegründet 1707 durch Kaiser Joseph I, ist mit seiner Geschichte das älteste der großen Auktionshäuser der Welt. Als bekannte Wiener Institution verkörpert es ein Stück österreichische Geschichte. 80 Jahre nach der Gründung als Versatz- und Fragamt zu Wien erfolgte die Übersiedlung in das ehemalige Dorotheenkloster und erhielt so seinen heutigen Namen.

Die Räumlichkeiten entsprachen bereits damals allen Anforderungen eines großen Auktionshauses. In den weitläufigen Schauräumen und Salons – heute gelten sie als das größte Antiquitätengeschäft Wiens – traf sich die elegante Auktionsgesellschaft. Während man bereits dort zu fixen Preisen aus einem großen Angebot an Bildern, Möbeln, Teppichen, Silber, Porzellan und Glas aus allen Stilepochen wählen konnte, wurde erst 1867, also 160 Jahre später, die heute älteste Galerie Düsseldorfs, die Galerie Paffrath, gegründet. Wichtig ist jedoch, den Unterschied an dieser Stelle deutlich zu machen: Eine Galerie bestimmt den Primärmarkt der Kunst, indem sie über Events und Kunstmessen Künstler pusht. Der Auktionsmarkt ist ein Sekundärmarkt und beschäftigt sich in erster Linie mit dem Weiterverkauf von Kunst und Design. Doch es gibt noch einen weiteren grundlegenden Unterschied: In einer Galerie können keine Kaution oder Objekte hinterlegt werden.

Die Hauptaufgaben der Repräsentanzen des Palais in Wien – neben der Düsseldorfer zählen diejenigen in Rom, Brüssel, Paris und Mailand zu den wichtigsten – bestehen aus der Kontaktpflege und der Geschäftsanbahnung, erläutert Schäpers. Sie hat über die venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts promoviert und vertritt seit 2003 die Interessen des Palais in Düsseldorf.

Den großen Kunstsparten gilt besondere Aufmerksamkeit: klassische Moderne und zeitgenössische Kunst, alte Meister, Gemälde des 19. Jahrhunderts und viele Antiquitäten wie Glas und Porzellan, Silber, Skulpturen, Möbel, Design, Juwelen und Uhren. Doch was unterscheidet den Standort Düsseldorf von Rom oder Mailand? Schäpers erläutert, dass hier lokale Künstler wie Gerhard Richter und auch die Gruppe ZERO wesentlich häufiger angefragt und vermittelt würden. Auch die erste Liga der Düsseldorfer Malerschule sei immer noch international gefragt. Für sogenannte aktive Akquisen aus Berlin und Hamburg sei der Standort Düsseldorf ebenfalls von besonderem Interesse.

Der Wert eines Ankaufs wird von einem Stamm von 100 Experten in 40 Bereichen geschätzt. „Nehmen wir also ein Gemälde. Hier sind folgende Eigenschaften notwendig: Zum einen ist die Bildvita sehr wichtig. Wo war das Gemälde zuletzt? Wie ist sein gegenwärtiger Zustand? Und natürlich braucht man den Bildwerdegang, hier wird mit anderen Kunstwerken verglichen. Dies ist eine Orientierung bei unbekannten, erstmals angekauften Kunstwerken“, verrät Schäpers. An Expertentagen hat man die Möglichkeit, mit Werken vorbeizukommen und einen Schätzpreis zu erhalten.

Seit Herbst 2001 hat das Mutterhaus private Eigentümer. Ziel der Geschäftsführung ist es, Wien als internationalen Auktionsstandort weiter auszubauen und dabei den Charme des Traditionshauses zu erhalten. Das Dorotheum will sich mit einem starken Kundenservice, einem jungen Image, und hervorragenden internationalen Kontakten als Treffpunkt für Kunstinteressierte und Sammler weiter profilieren.

Da sich rückblickend, so Schäpers, der Auktionsmarkt in den letzten Jahrzehnten positiv entwickelt hat, verändert sich auch der Kunstmarkt: „Kunst gehört einfach zum guten Ton. Kunst wurde früher nicht so einem breiten Publikum angeboten. Kunst gehört heute für viele Leute zum täglichen Leben. Für Kunst wird viel Geld ausgegeben, um Wertanlagen zu schaffen. Es gibt immer mehr Kunstberater und dem Geld wird nicht mehr vertraut. Ein guter Expressionist ist kein Wertverlust und man erfreut sich mit einem Bild an der Wand.“

Offensichtlich ist, dass es sich hierbei nicht nur um wirtschaftliche Interessen handelt, sondern auch um gesellschaftliche Werte. Es wird immer gesellschaftliche Zyklen geben, die sich wiederholen – wie in der Antike oder im Barock – und so erleben wir vielleicht gerade hier und jetzt ein kleines Déjà-vu.

 

Frida Lau