Max Liebermann

(Pressetext)

Max Liebermann: "Die große Seestraße in Wannsee mit Spaziergängern", 1920, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm, signiert

Mit der Schau Max Liebermann freut sich die Galerie Ludorff auf einen Höhepunkt ihrer bisherigen Ausstellungshistorie. Über 40 Exponate gewähren Einblick in die künstlerische Entwicklung Liebermanns und veranschaulichen den Wandel von seinen frühen ländlichen Szenen in Holland bis zu den frei interpretierten, farbprächtigen Wannseegärten des Spätwerks. Nicht nur hinsichtlich der Qualität der Werke, sondern auch aufgrund des Umfangs muss die Ausstellung außerdem als singulär auf dem deutschen Kunstmarkt gewertet werden.

Bereits in den 1870er Jahren entdeckt Liebermann während seiner Sommeraufenthalte in Holland die Pleinairmalerei für sich. Bei der Motivwahl liegt das Hauptaugenmerk noch auf Themen des einfachen Lebens. Die Ausstellung veranschaulicht Liebermanns Verhaftung in der Motivwelt der Malerei des 19. Jahrhunderts anhand eines Portfolios von Radierungen und Zeichnungen. Gleichzeitig zeigt die bereits ausgesprochen freie Linienführung und das Kolorit die Orientierung am französischen Impressionismus – bis dato im akademisch-wilhelminisch geprägten Deutschland eine gewagte Neuheit.

Gegen Ende des Jahrhunderts wendet sich Max Liebermann den Motiven der mondänen Küstenorte als gesellschaftlicher Bühne bürgerlicher Schichten zu. Mit lockerem Pinselstrich und einer zunehmend helleren Farbpalette bannt der Maler fortan entpersonalisierte Badende, Strandflaneure, Reiter und Polospieler auf den Bildträger: Badende Knaben, (ca. 1909), Zwei Reiter, am Strand nach links (1901), Nordseeküste bei Noordwijk (1909).

Nach Liebermanns letztem Besuch in Noordwijk im Sommer 1914 verlagert sich sein Lebensmittelpunkt wieder nach Berlin. Ins Zentrum seines künstlerischen Interesses rückt er nun die Freizeitgesellschaft in einer städtisch-kultivierten Natur: Es sind die Alleen im Tiergarten, Menschenmengen in Wirtshausgärten und Ausflugslokale unter Bäumen, die in den 1920er Jahren die Grundlage für eine der bedeutendsten Werkgruppen im Oeuvre des Künstlers darstellen.

Hervorzuheben sind außerdem zwei kleine Meisterwerke aus einer weniger bekannten Motivgruppe der 20er Jahre: Das Konzert in der Oper (1923) ist eines der äußerst raren Ölgemälde, in denen Liebermann aus der Sicht eines Zuschauers das Geschehen in der Loge, im Parkett und auf der Bühne der Berliner Staatsoper Unter den Linden festhält.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den berühmten Wannseegartenbildern: Das fulminante, über 200 Werke umfassende Spätwerk Liebermanns wird mit bedeutenden Gemälden wie Sommer im Garten in Wannsee – Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten (1927) und Pastellen (Die Villa Oppenheim in Wannsee, 1922) gewürdigt.

 

Galerie Ludorff, 10.09.12 bis 19.01.13