Kleint und Kandinsky
(Pressetext)

Boris Kleint (1903–1996): „Purpur schwarzes Dreieck“, 1938, Öl auf Leinwand, signiert und datiert, 110 x 85 cm
Was verbindet Boris Kleint (1903-1996) mit Wassily Kandinsky (1866-1944)? Es ist zum einen der Konstruktivismus, dem sich beide Künstler verschrieben haben und zum anderen die persönlichen Begegnungen, die sich in einem regen Briefwechsel dokumentieren.
Dies nimmt die Galerie Weick zum Anlass dem Konstruktivisten Boris Kleint eine Ausstellung zu widmen, die mit teils seltenen graphischen Werken Kandinskys bereichert wird.
1931 beginnt Boris Kleint mit dem Studium der Malerei bei dem Bauhausmeister Johannes Itten, der in Berlin eine Kunstschule etabliert hat. In dieser Zeit begegnet Kleint erstmals Wassily Kandinsky, der eine Aufnahme Kleints am Bauhaus befürwortet. Kurze Zeit später wird das Bauhaus von den Nationalsozialisten geschlossen und Kleint geht als Assistent zu Itten zurück. Itten verlässt 1934 Berlin und Boris Kleint übernimmt daraufhin die Leitung von dessen Kunstschule. 1936 emigriert Kleint aufgrund der politischen Verhältnisse nach Luxemburg und reist von dort nach London zu Walter Gropius, dem Gründer des Bauhauses. 1936 und 1937 beteiligt sich Boris Kleint an Ausstellungen in der Galerie Le Niveau in Paris und beginnt in seinem Exil ein umfangreiches Werk zu schaffen. 1938/39 entstehen großformatige geometrisch-konstruktivistische Gemälde, mit denen sich der Künstler im Salon des Indépendants in Paris erfolgreich an einer Ausstellung beteiligt. 1939 beginnt ein reger Briefwechsel sowohl mit Kandinsky als auch mit Itten. 1941 besucht Boris Kleint Wassily Kandinsky in Paris und trifft im gleichen Jahr ebenfalls Pablo Picasso. Die Verbindung zu Kandinsky vertieft sich wiederum durch einen erneuten künstlerischen Austausch nur ein Jahr später in Kandinskys Atelier.
Boris Kleint, der auf eine Reihe von Ausstellungen zurückblicken kann, wird mit vielen Auszeichnungen geehrt. Neben seinem malerischen Werk veröffentlicht er einige Publikationen, u.a. über Farbtheorien. Seine wichtigste Veröffentlichung, die Bildlehre erscheint 1969 und wird 1984 sogar in das Japanische übersetzt.
Schon in der direkten Nachkriegszeit erhält das Werk Boris Kleints eine hohe Anerkennung, die sich durch eine Ausstellungsbeteiligung im Jahr 1946 in der Galerie d’art moderne in Basel widerspiegelt, in der Kleint neben Künstlern wie Kandinsky, Braque, Derain und Picasso gezeigt wird. 1948 erhält Kleint eine erste Einzelausstellung im Saarlandmuseum, Saarbrücken und 1949 im Louvre, Pavillon Marsan, Paris. Auch auf der Mathildenhöhe, Darmstadt, wird Kleint im Jahr 1950 als bedeutender deutscher Vertreter des Konstruktivismus neben Werken von Baumeister, Itten, Hartung, Heckel und Mataré dem Publikum präsentiert. In der Folgezeit bis zu seinem Tod im Jahre 1996 werden seine Werke noch in vielen bedeutenden Museen und Galerien im In- und Ausland ausgestellt und der Künstler mit Auszeichnungen geehrt. Die letzte bedeutende Präsentation von Werken Boris Kleints findet im Jahr 2011 in der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence unter dem Titel l’abstraction en Europe statt, in der seine Werke im Kontext mit Gemälden u.a. von Kandinsky, Malewitsch, Moholy-Nagy, El Lissitzky, Rodtschenko und Tatlin gezeigt werden.
Die Ausstellung in der Galerie Weick zeigt 18 konstruktivistische Gemälde Boris Kleints aus der Zeit von 1938 bis 1945 sowie Radierungen und farbige Lithographien von Wassily Kandinsky. Der direkte Vergleich zwischen diesen beiden Künstlern führt dem Besucher der Ausstellung die enge “Künstlerverbindung” zweier außergewöhnlicher Künstlerpersönlichkeiten vor Augen.
Galerie Weick, 22.09.12 bis 03.11.12
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