Fritsch und Koschkarow

(Pressetext)

Alexej Koschkarow: „Pavian“ (Smearing), 2012, Grafit auf Leinen, 73 x 82 cm, Courtesy Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf

1999 stellten Katharina Fritsch und Alexej Koschkarow in der Kunsthalle Düsseldorf erstmals gemeinsam aus. Für die aktuelle Ausstellung in der Galerie Rupert Pfab haben sich die beiden international renommierten Künstler erneut auf eine gemeinsame Präsentation eingelassen. Beide zeigen Skulpturen und grafische Werke. Inhaltlich kreisen diese um ein geschichtliches, semi-öffentliches und auch privates Erinnern.

Katharina Fritsch zeigt ein skulpturales Stillleben mit gefalteten Händen, einer Muschel und der Büste eines Mädchens. Die Gegenstände sind Erinnerungsfragmente, auch Dekorationsobjekte einer sterbenden Generation. Die Hände waren Bestandteil eines kleinbürgerlichen deutschen „Hausaltars“. Die Geste des Betens rekurriert aber auch gleichsam auf die Zeichnung Albrechts Dürers um 1508. Die Muschel auf der Kommode war ebenso in zahlreichen deutschen Haushalten zu finden, entweder als Mitbringsel der Enkel oder als Erinnerung eines Urlaubs am Meer.

Die Büste der jungen Frau ist angeregt von einer Skulptur aus dem Hof von Verwandten, die Katharina Fritsch als Kind oft besuchte. Durch die Reduzierung auf die Büste wird diese zum autonomen Werk, das aus dem Zusammenhang gelöst die Historizität ahnen lässt. Die Büste verweist auf Biografisches und ist gleichzeitig eine Referenz an den unbekannten Bildhauer, der das ursprüngliche Artefakt geschaffen hat.

Bei seinen Smearings befasst sich Alexej Koschkarow mit Ornamenten, Mustern und Zeichen, die Gebäude im öffentlichen Raum zieren. Er nennt sie „Schmierereien“, was der exakten Ausarbeitung der an Zeichnungen erinnernden Werke begrifflich keineswegs entspricht. Mit den Abriebmalereien auf ein spezielles Trägermaterial (eine Papier-Leinwand Mischung) verortet er sich in der amerikanischen Weltmetropole New York. Es sind „Fotografien ohne Kamera“. Die Motive die er in der Ausstellung präsentiert, sind aus dem architektonischen Zusammenhang entnommen – und werden so zu eigenständigen Motiven.

Durch das Verfahren des manuellen Abreibens, das der Künstler eigens entwickelte, wird jedes Smearing zu einem Unikat. Die Spuren des Prozesses sind als Abdrücke oder Schlieren der Hände noch vorhanden. Die Bildhaftigkeit der architektonischen Motive findet sich dann auch in den beschreibenden Bildtiteln, wie Pavian.

In der Ausstellung der Galerie Rupert Pfab rekurrieren beide Künstler auf autobiografische Bezüge, stellvertretend für historische und allgemein-private Erfahrungen. Repräsentativ für die gegenwärtige Generation vermitteln sie ein Zeitgefühl, unter dem Rückgriff auf archaische Vorstellungswelten, die im Unterbewusstsein fixiert sind.

 

Galerie Rupert Pfab, 08.09.12 bis 03.11.12