Die Anwesenheit des Bildhauers

(Pressetext)

Heinz Breloh: "Die Anwesenheit des Bildhauers", 1995, Foto Manfred Förster

Das Werk von Heinz Breloh (1940-2001) hat die Galerie Ursula Walbröl erstmals 1991 vorgestellt.

Um einen Einblick in seinen bildhauerischen Ansatz zu geben, werden dieses Mal Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen gezeigt. Eine Sequenz von Fotografien, in der Manfred Förster die Entstehung der Lebensgrößen für die Ausstellung 1995 im Kunstmuseum Magdeburg dokumentiert hat, gibt Aufschluss über Brelohs performative Arbeitsweise. Grundlegend in seinem medienübergreifenden Werk ist das Thema figürlicher Präsenz und Absenz.

Hans-Jürgen Hafner (Kunstverein Düsseldorf) schreibt in “Zum Medium machen”, Juni 2012, zur Aktualität der Arbeit von Heinz Breloh:

„Weniger der Unmittelbarkeit als der künstlerisch konsequenten Auseinandersetzung mit dem Mittelbaren und Gemachten geschuldet, beruht die Qualität von Brelohs Arbeiten darauf, wie sie Aspekte des unmittelbar Präsenten und Theatralen innerhalb der Skulptur vereinen. Dazu mag passen, dass der Künstler nach einem ausgesprochen ‚klassischen’ Studium der Bildhauerei (bei Gustav Seitz, 1961-1963 in Hamburg und Fritz Wotruba, 1964-1968 in Wien) sich in den späten 1960er Jahren experimentellen Arbeitsweisen zuwendet. Brelohs Arbeiten dieser Zeit öffnen sich den damals ‚neuen’ Medien, Fotografie und Video, und expandieren zudem in den Bereich der Performance und Happenings sowie ins Installative. Die Fotografie fungiert dabei einerseits der Dokumentation, andererseits entwirft Breloh medienreflexive Stücke, die für die fotografische Abbildung inszeniert werden. In der beeindruckenden Intensität von Brelohs Arbeiten seine Bildhauerei als grandiose Syntheseleistung zu entdecken und hinter ihrem Gestus des Authentischen und Unmittelbaren, der selbst in den Bronzeabgüssen seiner in Ton hineingekneteten, aus der Modelliermasse herausgeriebenen und tanzend ausgeformten Skulpturen erhalten bleibt, eine in der Tat höchst spezifische Form von Medialität sozusagen am Beispiel der Skulptur zu rekonstruieren, hilft die Aktualität dieses künstlerischen Ansatzes zu erkennen. Heinz Breloh hat sein hochgradig konzeptuelles Verständnis von Bildhauerei immer auch theoretisch reflektiert. Eine Notiz im Notizheft “für Krimhild (1988) liest sich so: “Choreographie ist die Geometrie, die in der Ausführung zu leben beginnt, in dem sie an Unbedingtheit und totalitärem Anspruch verliert. Rationelles und Organisches verbinden sich zu dem Abenteuer.”"

 

Galerie Ursula Walbröl, 15.06.12 bis 21.07.12