Chapeau rouge

(Pressetext)

Hannah Fee Kreuzer: aus der Serie "Chapeau rouge", 2011, 5er Auflage, 1./5

„Jeder hört denselben Soundtrack zu seinem Leben, liegt denselben Konsum-Gottheiten zu Füßen.“
DJ Spooky

„Ich bin sechzehn Jahre alt und momentan zu nichts anderem mehr zu gebrauchen, als mich trotz kolossaler Erschöpfung in Zusammenhängen etablieren zu wollen, die nichts mit der Gesellschaft zu tun haben, in der ich zur Schule gehe und depressiv bin“ Hannah is spraypainting the roadkill

Markierungen setzend am überfahrenen Tier. Sie ist das Untier.

Wie in Momenten höchster Gefährdung, die Stationen des eigenen Lebens noch einmal Revue passieren, lässt sie in einer personifiziert – entpersonalisierten Revue diverser christlich-konsumistischer Ikonografien, noch einmal Hermaphroditen und Untote, frivole Nonnen und den verstümmelte Christus, morbide Sex-Schwestern und verschnürte Mädchenopfer an Unorten erscheinen, bevor die Welt unter halluzinierten Endzeitgedanken zusammenbricht. Ich habe meine von Analsex, Tränen und Leichenschändung geprägte Patchwork-Geschichte verloren. Selbstverständlich geht es hier um Schlüsselworte. Wann, wenn nicht jetzt, sollte Fräulein Kreuzer die Schlüssel denn an sich reißen? Und vor allem: Warum, wenn sie diese dann nicht auch ausprobieren will? Was auffällt, ist das sichere Gespür, mit der sie die Grenze von Intensität und Overload ausreizt, an der vieles schief gehen kann – und hier fast immer gelingt, so Claudia Fischer.

Die vielfach mehr geahnten als erlebten Gespenster einer durchschnittlich versehrten Erwachsenenbiografie treffen in den gezeigten Inszenierungen auf die Geister kollektiver Ahnungen.

Insofern fungieren die gebrochenen Geister in den Fotoarbeiten durchaus als Boten und Begleiter dunkler Träumerei, wäre Hannah Fee Kreuzer nicht längst in ihr Ungewisses aufgebrochen.

 

Galerie Art Unit, 07.10.12 bis 04.11.12