Buntes Nebeneinander
Malerei hat Tradition an der Kunstakademie Düsseldorf. Die ersten Direktoren der 1773 gegründeten Hochschule waren Maler, im 19. Jahrhundert erreichte die jüngst in einer umfassenden Ausstellung im Museum Kunstpalast gewürdigte Düsseldorfer Malerschule internationale Anerkennung und bis heute ist die Malerei – neben der Bildhauerei – eine der beiden Hauptdisziplinen der Kunstakademie. Während andere Fachbereiche wie Bühnenbild, Fotografie oder Video aktuell mit nur einer Professur auskommen müssen, stehen in den beiden Königsklassen je neun Lehrende zur Wahl. Eine beachtliche Riege internationaler Professorinnen und Professoren – entscheidend erweitert durch eine „Berufungsserie“ des zu der Zeit frischen Akademiedirektors Anthony Cragg im Jahr 2010 – betreut heute den Malernachwuchs in Düsseldorf. In erster Linie sind diese Lehrende aber selbst Künstler. Malerinnen und Maler mit unterschiedlichsten Hintergründen, Ansätzen, Auffassungen, Werken, die oft nicht mehr miteinander verbindet als ihre Tätigkeit an der Akademie.
Diese Tatsache führt die aktuelle Ausstellung Rendezvous der Maler II. Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf von 1986 bis heute (bis 15. Juli) in der Akademie-Galerie gerade eindrücklich vor. Sie vereint Kunstwerke des aktuellen und ehemaligen Akademiepersonals, Bilder von insgesamt 15 Künstlern. Wie der Ausstellungstitel verrät, handelt es sich bei der Schau um einen zweiten Teil. Im vergangenen Jahr ist ihm ein erstes „Rendezvous“ vorangegangen, das Gemälde von unter anderen Gerhard Richter, Gotthard Graubner und Konrad Klapheck aus den Jahren 1946 bis 1986 präsentiert hat.
Die aktuelle Ausstellung knüpft also in den achtziger Jahren an, als – nach abstrakten und konzeptuellen Tendenzen – die Figur wieder verstärkt auf der Leinwand auftaucht. Das merkt man aber beim Betreten der Akademie-Galerie nicht, denn in dem ersten Raum geht es auffallend nicht-figürlich zu: Neben einem Großformat von Albert Oehlen finden sich hier zwei Bilder von Tomma Abts im gewohnten Porträtformat, und je zwei Arbeiten von Helmut Federle und Katharina Grosse. Weiter geht es dann chronologisch rückwärts mit Gemälden von Peter Doig, je einem Objekt von Jannis Kounellis und Lucy McKenzie und drei Bilden von Tal R. Der nächste Raum vereint Werke von Andreas Schulze, Herbert Brandl und Markus Lüpertz, worauf ein Raum mit fünf Bildern von A.R. Penck folgt, bevor man bei je zwei Gemälden von Siegfried Anzinger und Jörg Immendorff landet. Etwas außerhalb der Malereiausstellung – und damit eher unglücklich platziert – befinden sich im Flur drei Arbeiten von Eberhard Havekost, neben einigen Fotos dokumentarischer Art, die die Künstler in ihrer Lebens- und Arbeitswelt zeigen.
Beim Durchschreiten der Ausstellung drängen sich unweigerlich Fragen nach dem Ausstellungskonzept und dessen Umsetzung auf. Die nach der Künstlerauswahl ist schnell beantwortet: Alle 15 Künstler sind (ehemalige) Malereiprofessoren der Akademie. Wie aber sieht es mit der Werkauswahl aus? Im Pressetext ist von „prägnanten Werken“ der jeweiligen Künstler die Rede, im Katalog finden sich eher allgemein gehaltene Texte zu den einzelnen Positionen. Nach welchen Kriterien aber wurden die Arbeiten ausgewählt? Warum ist von manchen Künstlern lediglich ein Werk zu sehen, während andere mit bis zu fünf Bildern vertreten sind? Geben die fünf Arbeiten von Penck einen genauso guten Einblick in das Gesamtwerk des Künstlers wie das eine Objekt von Kounellis in dessen Schaffen? Oder wird Lüpertz mehr Wandplatz eingeräumt als beispielsweise Brandl, weil er länger an der Akademie, sogar deren Direktor war? Wieso sind überhaupt dreidimensionale Arbeiten, etwa das Objekt von McKenzie in einer Malereiausstellung zu sehen? Und warum sind eigentlich keine Bilder von Reinhold Braun vertreten, der laut Akademiehomepage aktuell eine Klasse für Malerei leitet?
Am schwierigsten aber ist die Dramaturgie der Hängung zu durchschauen: Die Verteilung der Kunstwerke auf die insgesamt sechs Räume (den Flur mit eingerechnet) ist schwer nachzuvollziehen, Zusammenhänge kaum zu erkennen. Zunächst abstrakte Positionen, dann Figürliches und Dreidimensionales, zwischendurch wieder Abstraktes, anschließend Penck in einem eigenen Raum und noch mal Figuration. Am liebsten würde man eingreifen, ordnen, umhängen. Die Havekost-Bilder aus dem Flur und in die Ausstellung holen und auch sonst: Der Katalogtext von Prof. Dr. Siegfried Gohr (Leiter der Akademie-Galerie) zeichnet die Entwicklung um die Malerei an der Hochschule schlüssig nach. Warum hat man sich nicht daran orientiert? Dann hätte man beim Ausstellungsbesuch auch noch etwas über die Berufungsstrategie und -chronologie der Hochschule erfahren. Der Rundgang hätte mit den figurativen Positionen der in den 1980er und 1990er Jahren berufenen Künstler Lüpertz, Penck und Immendorff begonnen, er hätte die darauf folgende internationale Verstärkung durch Kounellis, Anzinger, Brandl und Federle in den 90er und frühen Nullerjahren dokumentiert und den Einzug einer neuen Generation im neuen Jahrhundert, repräsentiert durch Oehlen und Schulze und auf internationaler Ebene durch Doig und Tal R vorgestellt. Abschließend hätte man die letzten Neuzugänge aus 2010 und 2011 präsentieren können: Abts, Grosse, Havekost und McKenzie.
Weil die Ausstellung aber nun einmal so hängt, wie sie hängt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sie als das zu nehmen, was sie ist: Ein buntes Nebeneinander von unterschiedlichsten Kunstwerken, deren Urheber Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf lehr(t)en und in ihren Werken ganz verschiedene Konzepte vertreten. Das ist konzeptionell zwar etwas dürftig, macht aber umso neugieriger auf das nächste Jahr, wenn die Professoren aus dem Bereich Bildhauerei in einer Ausstellung vorgestellt werden – dann allerdings, aus Platzgründen, in K20 der Kunstsammlung NRW.
Ruth Lehmann






