Arbeiten aus dem Bleistiftgebiet

(Pressetext: Katja Behrens, 2011)

VAN HORN zeigt Verborgen und Verschlüsselt. Arbeiten aus dem Bleistiftgebiet.

Mit Saâdane Afif, Jan Albers, Carl Andre, Matthias Bitzer, Berta Fischer, Jean-Pascal Flavien, Axel Geis, Frank Gerritz, Kristjàn Gudmundsson, Falk Haberkorn, Gregor Hildebrandt, Jürgen Krause, Alicja Kwade, Adam McEwen, Bruce Nauman, Christian Pilz, Diogo Pimentão, Hannu Prinz, Evariste Richer, Jens Risch, Bojan Sarcevic, Thomas Scheibitz, Jan Schmidt, Jorinde Voigt und Thomas Zitzwitz.

Die „Mikrogramme“ des Schweizer Dichters und Schriftkünstlers Robert Walser (1878 -1956) sind eine der Inspirationsquellen dieser Gruppenausstellung. Die stark verdichtete Form seiner Bleistiftniederschriften machte es den Nachlaßverwaltern nahezu unmöglich, diese überhaupt zu lesen. Die zu winzigen Ornamenten gedrechselten Notate mussten erst entschlüsselt und decodiert werden, damit sich  aus der abstrakten Form ein Inhalt herausschälen konnte. Aus dem Bleistiftgebiet ist der Titel der aktuell vorliegenden Gesamtausgabe Walsers. Gregor Hildebrandt, der Kurator der Ausstellung, folgt der thematischen Anleitung, “raubt” den Titel des Buches, verbirgt den Namen Walsers unter dem Wort “Arbeiten” und liefert damit eine wesentliche Chiffre für das Lesen der Ausstellung.

Mit dem Verborgenen und Verschlüsselten befassen sich, mehr oder weniger direkt, auch die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die Gregor Hildebrandt in der Gruppenausstellung bei VAN HORN versammelt. Zusammengehalten werden die Arbeiten dabei von einem gemeinsamen Ton, der den Umgang mit Graphit und die Aufladung des Materials spiegelt und der zugleich die anschaulichen Eigenschaften, Charakter und Temperament des grauschwarzen Stoffes beschreibt. Die Möglichkeiten der Verdichtung, Vertiefung und Vielschichtigkeit, die in ihm liegen, schimmern in nahezu jeder Arbeit durch.

Motiv und Inhaltlichkeit sind nicht sogleich erfahrbar, müssen entschlüsselt oder als Leerstelle, Rätsel, Geheimnis ausgehalten werden. Spürbar aber ist eine emotionale Zusammengehörigkeit, ein gefühlter Klang, der sie verbindet. Das matte oder metallisch glänzende, weiche Mineral kommt als Speicher von Informationen zum Vorschein, die sich nie zur Gänze zeigen, die unter der dichten Oberfläche verborgen bleiben und über die wir nur mutmaßen können. Als Träger von Emotionen ist es auf den Menschen angewiesen, auf sein Erinnerungsvermögen, seine Empathie und Sensibilität. Geometrisch oder figurativ, akkurat oder verschwommen, klar oder unklar … die Arbeiten kommen miteinander in ein murmelndes Gespräch, dem wir wohl lauschend beiwohnen können.

 

VAN HORN, 02.07.11 bis 30.07.11