Adalbert Trillhaase
(Pressetext)
Die Galerie Remmert und Barth zeigt eine umfangreiche Ausstellung unter dem Titel Adalbert Trillhaase – Ein „naiver“ Maler im Künstlerkreis des Jungen Rheinlands. 100 Werke, Zeichnungen, farbige Blätter und Gemälde aus den Jahren 1920 bis 1925 sind zu sehen und werden von einem informativen Katalog begleitet, in dem alle Arbeiten abgebildet sind.
„Seine Bilder sind so eigenartig wie sein Name: Adalbert Trillhaase malte und zeichnete Figuren und Szenerien voll vertrackter Phantastik und grotesker Seltsamkeit. Der in den zwanziger Jahren am Rhein als verschrobener Wohlstandsbürger geltende, im Düsseldorfer Künstlerkreis um die Mutter Ey geschätzte Autodidakt liebte die verqueren Personnagen und die bizarren Arrangements. Manch einem Kunstkenner gilt er als der hierzulande bedeutendste naive Maler, einige sehen in ihm gar einen deutschen „Zöllner“ Rousseau. Den meisten Kunstfreunden außerhalb des Rheinlandes wird sein Name allerdings nach wie vor kaum bekannt sein.
Auskünfte über den Lebensweg des aus Erfurt stammenden, kontaktscheuen Malers vom Jahrgang 1858 sind ziemlich lapidar: Wohlangesehenes, kaufmännisches Elternhaus, Abitur, kaufmännische Lehre. 1890 Heirat mit der Tochter eines wohlhabenden Industriellen. Bis 1894 betreibt Trillhaase eine Leinenweberei in Bielefeld… Kurz darauf leitet er ohne Fortune eine Eisenfabrik in Hagen. Seit 1899, nach dem Tod des Schwiegervaters, ist er in Düsseldorf ansässig. Während des Ersten Weltkrieges hält er sich in Holland auf; bezieht schließlich 1919 endgültig Quartier in Düsseldorf. Adresse: Hindenburgwall 1, unweit vom Domizil der Mutter Ey. Berufsbezeichnung: „Kunstmaler“.
Adalbert Trillhaase, der wohlbestallte Schwiegersohn, der lustlose Liegenschaftsverwalter und spätere Häusererbe, hatte im Pensionsalter endlich ausreichend Muße für seine obsessionistischen Bildträume und eigenwilligen, religiös untermalten, figürlichen Gegenstände. Der geborene Privatier und eingefleischte Einsiedler, der sich nach den geschäftlichen Mißerfolgen, nach dem Ruin mehrerer Fabriken endlich ins glückliche Gehäus’ seiner Einbildungskraft unbeschwert zurückziehen konnte, war ein ausgesprochener Spökenkieker und Märchenerfinder, ein Kauz und ein originärer Gestalter von fast zwanghafter Mäandersucht. Sein Garn spann er auch gern zeichnerisch: das Konvolut der Bleistift- und Kreideblätter, halb hartlinig, halb schummernd-grau, ist recht umfangreich.
Angeregt zum Malen, zum Protokollieren seiner Gesichte, wurde er von seinem Freund Otto Pankok. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Sechzig bereits überschritten. Die Wirklichkeit ringsum interessierte ihn kaum, weder als Zeitgenosse noch als Künstler. Für ihn waren die Schilderungen in der Bibel die einzig wahre Realität.
Die reale Zeit wurde dabei unwichtig und gleichgültig: Trillhaase datierte die Gemälde selten, liebte jedoch eine schwungvolle, unübersehbare Signatur. Durch den Kontakt zur Gruppe „Junges Rheinland“ gewann er eine Öffnung zur Außenwelt; er nahm an Gesprächen und an Ausstellungen teil. In seinem Hause verkehrten Otto Dix, Jankel Adler, Gert Wollheim und Karl Schwesig. 1933 traf ihn die ehrenvolle Ächtung als „Entarteter“, er erhielt Malverbot. Zwei Jahre später zog sich Trillhaase in eines seiner Häuser außerhalb der Bannmeile, nach Niederdollendorf bei Königswinter zurück, wo ihm nur noch ein Lebensjahr beschieden war.“
Peter Winter, “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, 1986.
Galerie Remmert und Barth, 04.09.12 bis 03.11.12
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